Freitag, 10. Juni 2016

Sonntagshorn rustikal - durch die beiden Kraxenbachtäler

Griaß Eich Beinand,

Nachdem das Wetter noch einmal einen schönen Tag für uns bereithält, wollte ich unbedingt noch einmal diese Woche ins Gebirge. Ich hatte schon lange eine Tour im Kopf, die oft als DIE EINE Tour beschrieben wird, rustikal, ursprünglich wild - großartig !.... Mein Resümee dazu gebe ich gerne am Schluss wieder......
Ich hatte letzte Nacht Spätschicht, und es regnete und regnete fast die ganze Nacht. Ich fragte mich bei der Anfahrt ob die Tour überhaupt gehen würde heute.... Dieser Gedankengang sollte mich nicht all zu spät nochmals einholen.......



Aber der Reihe nach: Start war dann um 7 Uhr am verwaisten Parkplatz, hatte es doch bei der Anfahrt tatsächlich nochmals geregnet.... Ich hatte zugegeben überlegt ob ich starten soll oder nicht, aber die klare Bergluft und der frische Dunst am Parkplatz überzeugten mich dann doch aufzubrechen.... Also folgte ich der Teerstraße ......
 ....während die ersten Berge und dahinter blauer Himmel auftauchten.....









...gelangte ich ans Ende der Teerstraße.
Auf den Schilderbaum steht mein heutiges Ziel bereits angeschrieben, wenngleich die Gehzeiten erschreckend sind......   








Also die etwas öde Forststraße lang getrottet und mich geärgert nicht doch das Radl mitgenommen zu haben, aber Laufen macht ja auch zumindest am Morgen noch Spaß.......









Zumal die Sonne und die nassen Bäume, und die neben der Straße fliesende Schwarzachen mit ihrem Rauschen eine fabelhafte Atmosphäre zaubert, ist auch der Hatscher schnell überwunden.
So komme ich nach ca 40 min an der Schwarzachenalm an, wo kurz davor bereits der beschilderte Weg abzweigt.....

Schwarzachenalm







Schwach ist ein Pfad zu erkennen, aber das Gelände gibt den Weg vor, und so gehe ich entlang des Danzigbaches in den Talausläufer hinein.....
Nun wird auch der Pfad gut sichtbar, der mich gute 15 min später......
















...an eine Gabelung führt. Das Hinweisschild " Nur für Geübte" gefällt mir, ich bin neugierig was mich heute erwartet. Ich wende mich auf den Weg rechts hinunter zum nahe gelegenen Bach,.....
... der anscheinend den Hinweis auf dem Schild fordern will: Aufgrund der Regenfälle der letzten Tage und der vergangenen Stunden ist der Wasserlauf so stark angeschwollen, das ich geschlagene 20 min mit der Suche nach einer Furt oder Übergangsmöglichkeit bin, bei der ich halbwegs trockene Füße behalte. ......







Das is die einzige Stelle, bei der ich halbwegs eine Möglichkeit sehe es zu versuchen..... Mit springen und tänzeln auf den Steinen, schaffe ich es dann doch ans andere Ufer, wenngleich auch etwas Wasser den Weg das Innere der Schuhe gefunden hat.... "Ich hätte doch Barfuß durchkneipen sollen" denke ich mir, als ich auf der anderen Seite erneut den Steig aufnehme.....










...der kurz darauf rechts in das Mittlere Kraxenbachtal einbiegt.....









Kurzfristig steil, führt mich der Steig immer tiefer in den Graben hinauf, während schon unter mir das Rauschen des Mittleren Kraxenbaches zu vernehmen ist.










Bald flacht aber der Steig wieder spürbar ab, und so gelange ich ....


... an einen kleinen Wasserfall. Hier wechselt nun der Weg auf die andere Grabenseite, aber wieder suche ich etliche Minuten nach einer geeigneten Route.... Ein Sprung auf das glitschige Holz kann jäh zum Ende der heutigen Tour werden, denke ich als ich von einem Stein zum anderen tänzle..... Aber ich schaffe es doch, auch wenn ich das Holz etwas zu Hilfe brauchte um mich mit einem großen Sprung ans Ufer zu befördern. 








Nun befinde ich mich auf der anderen Grabenseite und nehme den Steig auf, der nun etwas anzieht und......
...immer höher und tiefer mich in dieses fast " urwaldliche "  Tal hinein bringt.


Ich darf meine Blicke aber nicht nur auf die Landschaft richten, den am Boden sind heute besonders viele Alpensalamander unterwegs, die ich natürlich nicht zertrampeln will......


Wasser ist heute wirklich genug vorhanden, der Pfad wird oft als Bachlauf genutzt, wie hier in dem Bereich kommt ca 5cm hoch ! das Wasser herunter gelaufen.......













Nach einer erneuten Überquerung eines Baches......












....flacht das Gelände kurzweilig etwas ab.....











...als ich die .....
... Kraxenbach - Diensthütte erreiche. 









Ich "schnurke" wie der Bayer so schön sagt etwas herum und mache mich dann weiter an den Aufstieg....
Ich gelange kurz nach der Hütte an einen Wegweiser, der mir den Weiterweg vorgibt... wobei es eh nur in eine Richtung weitergehen kann....Die auf dem Schild angegebene Zeit muss wohl falsch sein denke ich mir , als ich .....









... in die Sonne gelange und .....
Blick zum Rauschberg, auf dem ich am Dienstag war







..... über den "Wasserpfad" kurzweilig etwas steiler ......









.... hinauf in das.....
...Kar gelange, das laut Karte den Namen " Großer Sand " trägt.

Nun gibt eigentlich das Gelände den Weiterweg vor, aufwärts.....


... sind bereits Begangspuren zu erkennen, die im Laufe des Jahres noch deutlicher werden dürften....









Ohnehin sind diese auch jetzt nicht zu verfehlen, und ich steige auf anfangs noch etwas festem Untergrund .....




....mit Querung eines Altschneefeldes immer steiler hinauf. Hier wechselt nun der Untergrund in Schotter über, der mühsam aber doch noch relativ gut zu gehen ist.....










...bis ich auf ein letztes großes Schneefeld treffe.










Dieses umgehe ich Anfangs noch etwas rechts, aber angesichts das ich auf dem harten Schneefeld besser und weniger anstrengend voran komme wie auf dem losen Schotter,.....



....halte ich mich an das Schneefeld, auf dem ich Tritte schlagen muss. Ohne festes Schuhwerk, wäre diese Stelle heikel, aber ich war vorbereitet und so gelange ich an das Ende des Schneefeldes, das zugleich den Anfang der Ausstiegsscharte signalisiert.








Die Route ist eigentlich nicht zu verfehlen, es sind genügend rote Markierungen und auch relativ neu aussehende Bohrhacken vorhanden.....
Die Route quert in einem Schuttband zu einer Rinne hinüber, .....












...bei dem aber jeder Tritt zwecks losem Geröll gut gewählt sein sollte.











An der Rinne angekommen, geht es weiter brüchig in leichter Kletterei ( I-II ) durch diese ......










....hinauf....
...zur Gratscharte auf den Westgrat.







Aus der Scharte ausgestiegen, eröffnet sich zugleich ein fantastischer Ausblick auf das Heutal.....
Rückblick in die Ausstiegscharte 









Nun wendet sich der Pfad wieder auf den mit Latschen bewachsenen Grat.....










... auf dem ich ......
..... ab u zu in die Nordseite abweiche.....






...um aber immer wieder auf den Grat zurückzukehren.











Ein finaler Aufschwung der noch einmal.....










...etwas " Handanlegen " (I+) verlangt , aber mit Stiften entschärft ist......











....gelange ich auf den finalen.....




......Aufschwung der mich über .....













...ein finales kleines Band....








...zum Gipfelaufbau bringt. Ab hier geht es nun über den Normalweg aus dem Heutal in wenigen Metern hinauf zum......

Sonntagshorn 1961 m

Nachdem ich nach genau 3Std und 5 min am Gipfel ankomme, hab ich diesen Berg für mich wider Erwarten ganz allein !. Ich suche mir ein schönes Plätzchen am Gipfelbereich und packe meine Brotzeit aus. Diese lasse ich mir gehörig schmecken, während ich den Wolkenschauspiel zusehe, die immer mehr Gipfel der umliegenden Berge freigeben.....

Blick zum Peitingköpfl
Mittleres Kraxenbachtal
Blick ins Hintere Kraxenbachtal....



Blick zum Rauschberg
Blick zum Hochgern








Ich beobachte die Bergwelt, die von den Chiemgauern, über den Wilden Kaiser bis zu den Berchtesgadenern reicht.  Würde ich noch länger bleiben und das wie angesagt immer besser werdende Wetter abwarten, würde man die Hohe Tauern bis zum Alpenhauptkamm als Kulisse genießen können... Ich befinde mich nun schon über 1 Stunde ganz allein am Gipfel, als ich mir dann mein Gipfelbier aufmache, treffe ich den ersten Menschen heute, der den Gipfel erreicht.
Ich unterhalte mich noch mit dem netten alten Mann, der mir erzählt das er 79 Jahre jung ist und 3 x die Woche ins Gebirge geht....Bei seinem Wissen glaube ich ihm das sofort, und hoffe insgeheim das ich in dem Alter auch noch so fit bin und voller Leben stecke.....
Reifelberge

Aber irgendwann ist es auch Zeit aufzubrechen, und so mache ich mich über den schönen Nordostgrat an den Abstieg.  Zuerst direkt auf derem Gratverlauf folgend....


Aibleck








...über etliche Stufen auf denen ich schnell abwärts gelange, ehe sich der Steig.....












...nach rechts in die Flanke abwendet. 
Nun verläuft dieser anfangs über brüchige Schrofen, dann kuzweilig durch Latschen hinab zu einem.... 











...Schärtchen. Hier würde der Abstieg ins Hintere Kraxenbachtal beginnen, aber.....
... ich verfolge vorher noch den unmarkierten Steig der sich schön über den Gratverlauf zieht.....









....um dann dem Gratkamm rechts zu folgen und so gelange ich kurzweilig noch auf den Gipfel des ......

Hochgern 1747 m

Hier verweile ich nicht all zu lange, und mache mich wieder an den Rückweg, .....









.....der dann einen imposanten Blick auf das Sonntagshorn mit seinen Schichten gewährt.
Auch der Blick auf das Aibleck, das von meinem Standpunkt, einem Vorgipfgel des Grates zu erreichen wäre ist sehr schön zu sehen.....










Die Route würde über die Bogenhornschneid mit Ochsenhorn und Bogenhorn hinunter nach Weißbach führen.
Aber ich habe mich für den Abstieg durch das Hintere Kraxenbachtal entschieden, für welchen ich zurück in das Schärtchen muss.












An diesem wieder angekommen, werfe ich noch einen letzten Blick über das Rosskar hinüber zum Peitingköpfl, ehe ich.....
...mich an den Einstieg in das nordseitige Hintere Kraxenbachtal mache. 










Anders als im Mittleren Kraxenbachtal herrschen hier etwas rauere Bedingungen vor:
Über lose Schotterhänge und gröbere Steine macht eigentlich ..... 











...der Aufstieg wirklich keinen Spaß, dafür aber.......
... die Abfahrt um so mehr und geht auch schneller......


Ich gelange schnell an den Auslauf der Schuttströme an, und werfe einen Blick zurück: Wer hier wie zwei Bergsteiger die ich getroffen hab Aufsteigen sind wirklich nicht zu beneiden.... Die beiden hatten wie ich am Morgen verzweifelnd nach einem Übergang am Bach ins Mittlere Kraxenbachtal gesucht....Aber anscheinend ist der Fluss nach mir noch etwas angeschwollen, weshalb sich die Beiden dann für den noch beschwerlicheren Aufstieg durch das Hintere Schottertal entschieden haben.....










Mit einem Blick zur Kraxenbachschneid.....




...nehme ich wieder eine Pfadspur auf, der ich dann....










....immer tiefer in das Hintere Kraxenbachtal hinab folge.










Auch wie im Aufstieg sind im Abstieg die zahlosen Wasserfälle und Wildbäche ein vorherrschendes Naturschauspiel, das ganz bedeutend zum wilden Charakter dieser Tour beiträgt....
Nachdem ich den Bach das erste Mal gekreuzt habe, ....









.....erscheint ein Wegweiser, der den ohnehin ersichtlichen Weg weist....
Vorbei an der Diensthütte.......













...verläuft der Pfad im Zick Zack hinunter .....




...zu einem sehr schönen Wasserfall. Wäre es heute etwas heißer, würde ich mir ohne zu zögern in dieser Naturdusche eine Erfrischung gönnen. Aber da heute erträgliche Temperaturen vorherrschen, belasse ich dieses Vorhaben beim Gedankengang während.....










...ich mich nun auf der anderen Grabenseite an den weiteren Abstieg mache.











Durch den mittlerweile lichten Hochwald.....













...durch die wilde Natur wird dann ein weiteres Mal....












...der Bach überquert, ehe es in ......












...angenehmen Gehterrain zur .....














...alten Trifftklause geht. Eine Schautafel gibt Auskunft über die Bedeutung und Vergangenheit dieses beeindruckenden Bauwerks, dass.....
...schon etliche Jährchen auf dem Buckel hat.....










Mit einem letzten Rückblick auf die wegen der Wasserläufe silber schimmernden Berge, ist nun ...... 












... noch ein kleiner Gegenanstieg zu überwinden , der mich nochmals etwas über die Schlucht hinausbringt, ehe sich dann wieder talwärts an den .....
...morgentlichen Aufstiegsweg gelange. 









Mit dem Talausgang neben dem Bach.....










...gelange ich wieder an die Forststraße und wäre jetzt über ein Radl nicht unbedingt traurig. Aber da ich diese ja nicht dabei habe, steht mir der Hatscher zurück nun bevor......
...der zwar nicht mehr ganz so unbeschwerlich wie am Morgen ist, ...










...aber dann doch nach guten 40 min am .....
..... Parkplatz endet.



Fakten:


- Ich möchte hier ein Zitat aus einem Bergführer einbringen, das es eigentlich auf den Punkt bringt: "Schön im Sinne von anheimelnd kann man die Nordrouten auf das Sonntagshorn nicht unbedingt nennen, eher  schon herausfordernd bei einem gewissen Maß an Beschwerlichkeit" , hinterlässt diese Tour aber bei mir um so mehr einen bleibenden Eindruck !
- Gute Kondition, Trittsicherheit, etwas Geschick in der Wegführung in den Karen und Kletterkönnen in der 60m hohen brüchigen Kletterpassage sollten unbedingt vorhanden sein
- Weitgehend T4-5 auf schmalen Bergpfaden und steilen Schuttreißen
- Kletterterrain vorwiegend im I-II Grad....
- Aufstiegs hm incl Gegenanstiege: 1490m 
-Abstiegs hm : 1477hm
- Streckenlänge 21 km
- M(R)eine Gehzeit: 5:30 Std

Track wie immer auf Anfrage.....



VG Ameranger



Kommentare:

  1. Sehr schön - gefällt mir! Beizeiten werde ich die Runde mal nachwandern, vielen Dank für den Tipp!

    Viele Grüße

    Rebecca

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  2. Hallo Rebecca,

    Danke für die Blumen. Diese Runde wird dir wenn ich mir deine Touren so anschaue sicherlich gefallen !

    Beste Grüße

    Ameranger

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  3. Servus Ameranger,

    würd gern morgen die Tour starten. Gibts den GPS Track irgendwo?

    Merci

    Flo

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  4. Servus Flo,

    Sorry das ich mich jetzt erst melde... Bist schon unterwegs gewesen ?. Denn Track kann ich dir gern per PN schicken. Melde dich bitte hierfür unter ameranger.bergsucht@gmail.com

    Beste Grüße
    Ameranger

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